
Liebe Schwestern und Brüder,
eine Weltregierung hat die Kontrolle über die gesamte Menschheit, die in fünf Klassen unterteilt ist. Jede Klasse übernimmt in der Weltgesellschaft unterschiedliche Aufgaben. Die Klassenzugehörigkeit wird durch künstliche Fortpflanzung und Klonen je nach Bedarf geregelt; Familien gibt es nicht, sondern die Kinder werden in staatlichen Einrichtungen aufgezogen. Allen Klassen gemeinsam ist: Sie leben außer für ihre Aufgaben nur für Konsum und Sex. Niemand kann krank werden, und für stets gute Stimmung sorgt eine Droge, die alle Menschen einnehmen müssen. Literatur, Denkmäler oder Museen passen nicht in diese Welt, ebenso wenig kritisches Hinterfragen der Verhältnisse oder die Suche nach Lebenssinn.
Dieses Welt-Bild malt Aldous Huxley in seinem 1932 erschienenen Roman „Schöne neue Welt“. Schön schaut diese neue Welt allerdings nur auf den ersten Blick aus. Zwar herrscht auf ihr Frieden, doch wer diese friedliche Welt näher betrachtet, bemerkt, dass sie nur noch Platz hat für gleichgeschaltete, willenlose und oberflächliche Menschen.
Ich verstehe diese düstere Vision als Warnung, es nicht so weit kommen zu lassen, und als Ermutigung, an einer wirklich schönen neuen Welt zu bauen: Auf der leben die Menschen auch friedlich zusammen, aber eben als eigenständige, denkende Wesen, die einander mit Hochachtung und Toleranz begegnen. Eine Utopie… ob sie Realität wird, hängt auch von euch, Ihnen und mir ab.
Herzliche Grüße,
euer / Ihr Pfarrer Matthias Blaha